Tag 7 – Kvikne > Trondheim

Nach einer regnerischen Nacht kletterten wir erstaunlich fit aus dem Zelt und sahen wieder mal: nichts. Die Wolken hingen tief, aber es war trocken.

Nach einem kurzen Frühstück ging es los in Richtung unseres ersten Meilensteines am Ende des ersten Reiseabschnittes: Trondheim. Bis hierher wollten wir einfach Strecke machen, um für die nachfolgenden Abschnitte genügend Luft zu haben. Denn die haben es planerisch in sich. Details kommen später noch genug. Wir waren sehr gut drauf, denn es standen nur 120 km Tagesleistung an, was uns in Trondheim Erholung versprach.

Unser großes Glück heute war, dass die Straßen bereits getrocknet waren. Das beseitigte die Gischt, die vorbeirasende Lkw produzieren und uns im Handumdrehen wieder durchnässt hätte. Was wir nicht erwarteten, war die Emsigkeit am Gaspedal, das bei trockenem Wetter noch stärker ausgeprägt war. Es schien, als würden die Brummi-Fahrer jedes Quäntchen kinetische Energie von einer Abfahrt in die nächste Auffahrt mitnehmen wollen, denn bergab fehlte nicht mehr viel zum Überschallknall. So ballerten auch wir wieder endlose Straßen entlang.

Von Radwegen hielten wir uns dieses Mal gezwungenermaßen fern, denn es gab kaum welche. Die Hauptachse entlang der E6 ist bis Trondheim fast alternativlos. Angesichts der militanten Haltung der Lkw allerdings hätten wir durchaus auch schlechte Radwege genutzt. Das unbehagliche Gefühl jedenfalls, wenn sich hinter uns eine Schlange von Fahrzeugen aller Art aufbaute, wenn die Straße nicht übersichtlich war, erzeugte in uns bisweilen Stress. Man hat einfach das Gefühl, die gesamte nordischen Wirtschaft zu schwächen, wenn man in den Zeitraffer-Straßenbetriebsablauf bremsend eingreift. Im Bild zu sehen übrigens der erste Lkw, der bergab eher defensiv unterwegs war.

Kleiner Exkurs zum Thema Radweg: unserer Euphorie für die schwedischen Radwege folgend nahmen wir anfangs jeden Hinweis auf einen norwegischen Radweg an und fanden uns sehr oft auf unbefestigten Schotterwegen wieder. Gift für unsere Räder bzw. Reifen, denn die müssen bis zum Nordkap durchhalten. Zwischen der von uns so empfundenen „Rad-Nation“ Schweden und dem „Lkw-Land“ Norwegen (lediglich ein erster Eindruck, finale Entscheidung fällt noch) liegen für Velo-Enthusiasten jedenfalls Welten. Stand heute ist das freundliche blaue, auffordernde Radweg-Gebotsschild ein sehr deutliches Warnsignal à la „Vorsicht, gefährlicher Weg!“

Nachdem die größte Kletterei des Tages passiert war, kühlte uns die kilometerlange Abfahrt dermaßen aus, dass wir nur noch warmen Cappuccino im Sinn hatten. So schön dann die Auslage in der Konditorei auch war – wir konnten darin nur noch Brennstoff sehen. Kalorien für kinetische Energie.

Schließlich kam immer mehr Vorstadt-Atmosphäre auf. Es roch nach Trondheim. Ein letzter Anstieg noch, dessen Bewältigung uns eine junge Langlauf-Athletin eindrucksvoll demonstrierte: 5 km bei 3-4% Steigung im Doppelstock-Einsatz. Ohne Pause. Chapeau!!! Aber auch wir waren flott unterwegs… denn oben winkte uns eine Süßigkeit. Gesalzene Schokoladen-Karamellbomben sollten es sein. Und die knallten wirklich. 😉

Trondheim war von Anfang an super. Freundliche Gesichter, Sonne und eine Wahnsinns-Seeluft. Daher kam ein erster Halt direkt am Dom, dem Nidaros-Dom, sehr gelegen. Nidaros geht auf den alten Namen Nidaros zurück, den Trondheim früher zur Zeit der Gründung im Jahr 997 n. Chr. trug. Der imposante Bau hat drei sehr berühmte Orgeln, zwei davon von deutschen Orgelbauern, aus Berlin und Bayern.

Das Hotel direkt am Hafen hatten wir schnell gefunden. Räder mit aufs Zimmer, gesamte Ausrüstung gelüftet und getrocknet und alle Wäsche gewaschen. Von Hand natürlich, selbst ist der Mann. Während alles vor sich hin trocknet, sind wir schonmal in der Stadt, um erneut Kalorien zu suchen.

Fündig wurden wir im „SOT“ am Hauptplatz. Mit der einfallsreichen Idee, Burger essen zu wollen, stolperten wir über das Sushi-Buffett. Kaum darüber nachgedacht begann auch schon der Ladevorgang. Köstliche, sehr hübsch angerichtete Leckereien verhätschelten unsere Sinne. Und parallel entstand dieser Blog vom 7. Tag unserer gemeinsamen Reise. Bon Appetit!