Tag 8 – Trondheim > Pampa

Unser Motto von Anfang an lautete: „Bis Trondheim geben wir Gas und ab da wird es Urlaub.“ Das sollte sich heute bewahrheiten. Nun gut…

Wir verließen Trondheim mit der Fähre. Ein kleines, jedoch nicht weniger flottes Gefährt. Noch im Hafen gab der Kapitän Vollgas, was besonders Robert bewundernde Worte entlockte. Sie brachte uns binnen 25 Minuten zum anderen Ufer, wo wir nach einem improvisierten Bord-Frühstück (es gab nen Liter Joghurt und Croissants) gestärkt auf die Bikes sprangen. Jetzt konnte der Urlaub beginnen, wir waren bereit. Und die Überraschung kam sofort.

Zum Einfahren bekamen wir gleich mal 8% Steigung. Was nicht zu schlimm war, denn es war total bewölkt und mit 13°C recht kühl. Die Tagesbedingungen jedenfalls waren gesetzt.

Herausfordernd war, dass wir aufgrund der Kälte und des Gegenwindes zunächst gut angezogen waren. Das baute beim Klettern Stauhitze und viel Feuchtigkeit unter der Kleidung auf, weswegen wir zum Aufstieg nur leichte Kleidung wählten. Die logischerweise folgenden Abfahrten waren dann aber so kühl, dass wir schnell schnatterten. Kompromiss war angesagt.

Der Urlaubsteil enttäuschte uns nicht. Es ging nach der ersten massiven Anhöhe immer am See entlang. Ein See, der im Ammersee-Format begann, sich aber dann zu einem Gewässer im Bodensee-Format entwickelte. Klares Wasser, unglaubliche Ufer und zwei strahlende Gesichter. Und das Beste: nach etwa 3 Stunden Fahrt klarte es auf und wir waren auch noch von Sonne umgeben. Roberts inflationär verwendeter Spruch „Es wird noch besser!“ traf heute auf der ganzen Linie zu.

Die Landschaft änderte sich laufend. Und wir spürten in unseren Beinen deutlich, dass die Höhenmeter mehr zum Thema wurden. Langsam werden aus Hügeln Berge, aber die Schönheit der Natur wirkt wie Doping. Man spürt nichts von der Anstrengung. Und auch die Wege enttäuschten nicht. Wir konnten durchweg Straßen nutzen, da der Verkehr sich sehr in Grenzen hielt. Teilweise war die Ruhe geradezu unheimlich. Langsam stellte sich ein Gefühl von absoluter Freiheit ein.

Unterwegs gabelten wir noch einen jungen Mann aus Bristol auf, der auf dem EuroVelo 1 unterwegs war. Im Bild nicht sichtbar ist sein Rad – das wohl abenteuerlichste Arrangement mit zwei Rädern, das wir je gesehen hatten. Und eine Reise damit zu unternehmen war allemal tollkühn, wie die Geschichten, die er uns erzählte, bestätigten. Ein Held für sich, aber sehr sympathisch. Aufgefüttert mit Kaffee, süßer Energie und Himbeeren machten wir uns auf unsere eigene Weiterfahrt auf, weiter entlang eines immer noch besser werdenden Seeufers (gefühlt Binnenmeerufers).

Nach einer unwiderstehlichen Verlockung „zum Ballern“ taten wir das auch und legten damit einige Kilometer in sehr kurzer Zeit zurück. Bei einer Pause wurde mal wieder klar, dass sich das rächen könnte. Aber vermutlich waren es einfach nur ein paar Bienchen, die uns in die Oberschenkel gestochen haben…

Ab diesem Teil der Route fahren wir auch auf dem EuroVelo 1, der von Trondheim bis zum Nordkapp verläuft und die Lofoten einschließt. Ob wir die Lofoten mitnehmen, wissen wir noch nicht genau. Wir folgen jetzt dem EuroVelo 1 jedoch erstmal mindestens bis Bodø, danach schauen wir mal. Als wir endlich Namsos, unseren festgelegten Wiederaufladeort, erreichten, waren wir froh. So unglaublich die Tour auch war, die nun zunehmenden Höhenmeter sind spürbar.

Jetzt gehts noch darum, strategisch klug zu planen, um möglichst viele Fähren unterzubekommen und keine Zeit zu verlieren. Bei 15 Fährüberfahrten (falls wir die Lofoten mitnehmen) ist das gar nicht so einfach. Wer hätte es gedacht – Köpfchen muss mit bei einer solchen Exkursion. ????

Bei der Nachtplatzsuche wurden wir erfinderisch. Auf ein Schild reagierend, welches „frei übersetzt“ etwa „zum Verkauf“ andeutete, spazierten wir durch eine Wochenend-Hüttensiedlung am Berghang. Und ganz am Ende stand sie, die zu verkaufende Hütte. Natürlich leer. Und genau dort schlugen wir im Garten bzw. auf der Veranda unseren Nachtplatz auf. Ein auf einem Felsvorsprung hinausgebauter Freisitz diente uns dann noch als wunderbarer Vesperort.