Tag 10 – Brønnøysund > Stokkvågen

Was kann schon schiefgehen, wenn diese 3 Zutaten zur Hand sind? Sonne, Räder und zwei Typen, die ganz weit am Horizont etwas sehen, das man mit bloßem Auge noch nicht sieht…

Dieser Samstag hatte 3 Fährüberfahrten für uns vorgesehen, was etwas Planung braucht. Er begann jedoch ganz ausgezeichnet mit frühen Sonnenstrahlen direkt aufs Zelt. Und kurz vor Abfahrt warfen wir noch einen Blick auf die Dinge-Sammlung der Campingplatz-Besitzerin – ein wahres Museum.

Auf dem Weg zur zweiten Fähre hatten wir für 20 Kilometer fast zwei Stunden Zeit. Und die nutzten wir, denn es gab viele atemberaubende Ausblicke, die wir festhalten mussten.

Was nun deutlich wurde, sind die veränderten Windverhältnisse an der exponierten Küste. Stramm und kühl aus westlicher Richtung, was hin und wieder eine Extra-Herausforderung zum Strampeln hinzufügt.

Ja, die Berge werden höher und die Höhenmeter fordernder. Doch müssen wir auch feststellen, dass wir fitter geworden sind. Energiehaushalt und das Gefühl für das, was wir uns abverlangen können, haben sich optimiert. Was aber nicht heißt, dass wir es nicht hin und wieder übertreiben. Ballern macht einfach noch zu viel Spaß. Der kalorische Durchsatz ist nach wie vor außerordentlich.

Hin und wieder kommt es dann aber doch zu absurden Situationen, wie am Vortag, als Robert meinte: „Ich glaube, heute Abend werde ich keine Süßigkeiten mögen. Brauche die nicht mehr so.“ Ganz offensichtlich blanker Unsinn. Der Abend bewies es dann noch.

Lokale Magazine bringen uns immer wieder auf neue Ideen oder bestätigen alte. Dank unseres guten Vorankommens stehen die Lofoten jetzt wieder auf der Liste. Und das hat gleich zwei positive Aspekte:
(1) eine wahnsinnig schöne Landschaft, durch die wir uns bewegen dürfen (bei hoffentlich bestem Wetter) und
(2) wir sind weg von der stressigen, von Autos und Lkw befahrenen E6. Da muss man uns als Natur-Afficionados natürlich nicht zweimal fragen.

Nach wie vor beeindrucken einzeln stehende Häuser, die ob ihrer Lage zum Träumen einladen. Zugefrorene Seen und Loipen in greifbarer Nähe und einen warmen Kamin daheim greifen den kommenden Jahreszeiten vor und sind gerade nur schwer vorstellbar. Dennoch, das sind die Seiten Norwegens, die besonders mich ansprechen. Nimmt man dann noch die Skitouren hinzu, die sich hier geradezu aufdrängen, dann war das nicht der letzte Besuch in dieser Gegend.

Zwischendurch auch mal sichtlich etwas erschöpft. Drei Fährübersetzer am Tag schlauchen eben. 🙂 An dieser Stelle muss allerdings lobend erwähnt werden, dass wir schon dreimal beim Versuch, die Überfahrt zu bezahlen, mit den Worten „Just go!“ inklusive Lächeln „gefördert“ wurden. Vielen Dank, liebe Fährfreunde!

Was jetzt noch ansteht, ist ein Einkauf fürs Wochenende. Da Sonntags die Läden nicht öffnen, muss der Onboard-Vorrat gefüllt sein. Und Kalorien wiegen richtig was – egal, ob am Bauch, oder noch in der Verpackung.

Nachtrag:

Nun ist uns tatsächlich unser als so wichtig angekündigter Abendeinkauf gerade durch die Lappen gegangen. Blog und Burgeressen ließen uns die Zeit vergessen. Da samstags die Läden bereits um 18:00 Uhr schließen, standen wir kurz nach 18:00 Uhr natürlich doof da. Also eilten wir noch zur Tankstelle und deckten uns da mit den nötigsten Sachen ein, die wir am Sonntag brauchen würden. Nun sind wir stolz mit unserem Rucksack unterwegs, in dem die teuersten Aufbackbrötchen, Schokoriegel, Salami und Käse lagern. Total Upper-Class eben….

Mit etwas Frust hängten wir dann noch ein paar Kilometer dran, die uns mit 14 km und gewaltiger Steigung nochmals alles abverlangten. Mit einem dicken Burger im Bauch doch recht anspruchsvoll. Belohnt wurde das allerdings mit eine Wahnsinns-Abfahrt, noch wahnsinnigeren Ausblicken und schließlich der super-netten Holländerin Aline, die mit ihrem Mann hier am Fjord wohnt und uns ihren Garten zum Zelten zur Verfügung stellt. Und sie macht uns morgen ein leckeres Frühstück. Ganz am Schluss vor der Galerie kommen noch ein paar der nun gewonnenen Eindrücke.

Ein Highlight des Tages war sicherlich die Helgeland-Brücke mit eine Bauhöhe von 138 m, größter Spannweite zwischen 2 Stützen von 425 m und einer Durchfahrtshöhe von 45 m. Beeindruckend, da wir fast 10 Minuten unterwegs waren, das gesamte Bauwerk zu überqueren. Der Blick von da oben aus war betörend. Blau schimmerndes, glasklares Wasser. Und endlose Fernsicht. Fragen?

Trotz wirklich spürbarer Oberschenkelmuskulatur (wir vermuten noch immer, dass Bienen häufig spontan in den Oberschenkel stechen) sind wir gerade abends in einer Weiterfahrlaune, da die Dämmerung der gesamten Landschaft eine bezaubernde Atmosphäre verschafft. Allein die schlagartig sinkenden Temperaturen motivieren uns dann doch, das Zelt aufzuschlagen und die Vorzüge der Schlafsäcke in Anspruch zu nehmen.