Streckenlänge und körperliche Verfassung
Die ersten fünf Tage durch Deutschland haben mir gezeigt, dass Tagesetappen von 200 km für mich ganz gut möglich sind (sobald der Hintern etwas eingefahren ist). Rein körperlich fühle ich mich gut und freue mich nun auf die Weiterfahrt in Schweden. Der Popo musste sich mangels vorherigem Training zunächst an die Zeiten im Sattel gewöhnen. Mit Vaseline am Tage und Bepanthen Nachts habe ich es letztlich aber ganz gut in den Griff bekommen (hoffen wir, dass es dabei bleibt). 200 km pro Tag bedeuten aber auch relativ wenig Zeit für Stopps und keine ausgedehnten Pausen. Um abends nicht zu spät am jeweiligen Zielort anzukommen sollte eine solche Etappe am besten bereits gegen 7 Uhr morgens beginnen. Eine konzentrierte Organisation ist unumgänglich (Planung der Verpflegung, Wassernachschub, Erledigung möglichst gleich mehrerer Dinge pro Stopp, Planungen per Google Maps am besten auf dem Rad, etc.). Insgesamt also eher etwas Stress, weil ständig der Blick auf die Uhr wandert und bereits beim Abstellen des Rades etwas Hektik beginnt.
Deutlich entspannter sind daher 150 km (oder auch nur 180km machen schon rund eine Stunde mehr Zeit pro Tag für andere Dinge). Es bleibt mehr (oder überhaupt erst) Zeit für den ein oder anderen bewussten Stopp an schönen Ecken, tollen Gegenden und das ein oder andere Foto mehr. Ganz zu schweigen von den rund 2,5h weniger im Sattel und mehr Zeit zur Regeneration. Mein Fazit zur Streckenlänge lautet also: ab und zu mal eine knackige 200er Etappe um ein bisschen Strecke und Zeit herauszufahren und ansonsten aber hauptsächlich 150er Etappen zum Genießen und Bestaunen.
Abschließend war die Strecke durch Deutschland aber auch keine wirkliche radfahrtechnische Herausforderung. Das Wetter war bis auf einen Tag (und da auch nur stundenweise mit Regen) durchweg hervorragend. Auf rund 850km mussten nur etwas mehr als 4000 HM bewältigt werden (abgesehen von der zweiten Etappe durch den Thüringer Wald – und selbst da waren es keine 2000 HM auf 200 km Streckenlänge – gab es keine echte Bergetappe). Es gab jeden Abend eine Dusche, feste Unterkünfte, warme Mahlzeiten und bis auf einen Kettenriss keine Pannen. Zudem ist Deutschland derart dicht besiedelt, dass praktisch nie eine echte Versorgungslücke entsteht, weder hinsichtlich Verpflegung und Wasser noch hinsichtlich Fahrradersatzteile. All diese Aspekte werden im Norden Norwegens sicher etwas anspruchsvoller werden. Wir werden sehen…
Streckenführung und Landschaft
Deutschland ist, wie ich das erwartet hatte und zum großen Teil eigentlich bereits schon kannte, landschaftlich ein ganz tolles Land. Ich kann beinahe jedem Teil Deutschlands etwas schönes abgewinnen. Das Alpenvorland, die bayerischen Berge, das Allgäu (kitschiger geht es wohl kaum), die Mittelgebirgslandschaften und der Thüringer Wald, aber vor allem auch die flachen Ebenen ab Sachsen-Anhalt bis zum Norden. Jeder Teil hat seinen eigenen Reiz. Mein persönlicher Favorit sind unter anderem sicher die Kiefernwälder und die Seen in Mecklenburg-Vorpommern. Gerade diesen Teil verbinde ich (historisch bedingt) immer mit Urlaub.
Die Streckenführung durch Deutschland habe ich mit Komoot geplant, wobei geplant hier heißt, dass ich lediglich Start- und Zielpunkt gewählt habe. Als Routenprofil wählte ich „Fahrrad“. Die Profile „Rennrad“ oder „Gravel Bike“ waren mir zu unsicher: nach meiner Erfahrung sind reine Rennradrouten oftmals zu Hauptverkehrsstraßen-lastig und damit mit hohen Verkehrsaufkommen verbunden, und meine Befürchtung bei Gravel Bikerouten ist, dass zu viele unbefestigte Wege dabei sind, die am zügigen vorankommen hindern. Die Standard-Fahrradrouten in Komoot sind gut mit Reiserädern oder Trekking Rädern zu befahren, und Komoot benutzt hierfür hauptsächlich Radreisewanderwege bzw. klassische/ausgeschilderte Radwege. Alles in allem ein sehr guter Kompromiss, und auch überwiegend sehr gut mit meinem Randonneur mit 32mm Bereifung zu befahren. Nur gelegentlich hätte ich eher ein Mountainbike gebraucht, selbst ein Trekkingrad wäre hier nur schwerlich oder gar nicht mehr vorangekommen. Wollte ich diese Teile der Strecke noch vermeiden, müsste ich deutlich mehr Zeit in die Vorbereitung und Streckenplanung investieren. So hatte ich Null Vorbereitungszeit.
Statistik
Bis zur Rostocker Innenstadt waren es insgesamt rund 825km. Bis zum Überseehafen sind es noch etwa 10km und ich habe mir rund 40km durch die Zugfahrt zwischen Aschersleben und Magdeburg gespart. Damit passt Komoots Prognose von 877km recht gut.
Die gezeigten Höhenmeter sind nur ein grober Anhalt, da der Tacho einen barometrischen Höhenmesser hat der naturgemäß auch wetterbedingte Luftdruckschwankungen aufzeichnet. Genauer wäre es sicherlich gewesen, die Höhenmeter pro Tag zu notieren und am Ende der Fahrt zusammen zu addieren.














































