
Heute hieß es mal Ausschlafen. Und das war verdient, denn wir hatten alle Ausrüstung gewaschen (inklusive uns selbst). Wir waren nun bereit, die Lofoten gut duftend in Angriff zu nehmen. Nach einem self-made Hausmannskost-Frühstück ging es um 08:00 Uhr los. Anfangs war es noch bedeckt und windig, daher kühl, und natürlich kam der Wind von vorn. Aber hin und wieder schien die Wolkendecke etwas dünner zu werden. Mit guter Hoffnung auf einen prächtigen Inseltag strampelten wir los.


Von unserem Lager in der Ortschaft Å (ja, kein Scherz, nur ein Buchstabe mit Kringel drauf) bis in die Ortschaft Bø hatten wir gut zu tun. Der Gegenwind schien immer mit uns mitzudrehen. Zuverlässig, versteht sich. Unterwegs kamen wir noch am Camper unserer neu kennengelernten Bekannten aus der Schweiz vorbei, die schon am Vortag einen Strandtag angekündigt hatten. Strandtag? Ja, das geht hier auch. Mehr dazu gleich.
Der gewaltige Naturraum der Lofoten beeindruckte uns hinter jeder Kurve. Berge wie im Allgäu, allerdings direkt im Wasser stehend. Senkrechte Monolithen, in die man sich Kletterrouten hineindenken kann. Flache Gewässer, die mit dem Wind unglaubliche Surferlebnisse suggerieren. Und – tatsächlich Sandstrände. Helle, weiche Sandstrände, die je nach Gezeiten und Sonneneinstrahlung das Mittelmeer überflüssig machen.


Unterwegs von einem Strändchen zum nächsten trafen wir Birgit. Birgit ist eine junge Schweizerin, die sich mit Fahrrad und allem, was man für eine Weltreise per Velo braucht, aufgemacht hat, ganz allein das Nordkapp zu erreichen. Mit globalen Folgeplänen. Ein Modell an Selbständigkeit und Pragmatismus – sie zeigte uns sogar, wie man von Hand richtig Luft in einen Reifen hineinbekommt. Was haben wir gelacht! 🙂 Sie begleitete uns noch ein wenig und setzte ihre Route dann in ihrer eigenen Geschwindigkeit fort. Im Gegensatz zu uns konnte sie ihr Gepäck nämlich nicht aufteilen.
Was folgte waren einige Kilometer untertage. In einem Tunnel, der zunächst steil bergab, dann steil bergauf ging. Eine ekelhafte Erfahrung, denn er war quasi gar nicht belüftet. Somit standen die Abgase quasi in der Röhre. Und da die Autos ja auch die Steigungen zu bewältigen hatten, waren die Abgase rauchig, qualmig und einfach erstickend. Nicht zu vergessen laut. Wir waren durch wie nach 50 Kilometern Ballern, als wir da rauskamen.
Dann drehte sich das Blatt. Die Sonne kam heraus und der Wind saß uns zuverlässig im Nacken. Die nun folgenden 40 Kilometer flogen nur so an uns vorbei. Zeitweilig vergaßen wir sogar unseren Capppuccino-Plan. Was aber wurscht war, denn es gab weit und breit nichts, wo man welchen hätte bekommen können. Erst in Svolvær, einer etwas mehr nach Städtchen anmutenden Ortschaft, wurden wir fündig.


Da es aber schon 15:30 Uhr war, entschlossen wir uns gleich zum späten Mittagessen. Mit Aussicht auf Cappuccino. Das Fellini Restaurant war ein Service-Wunder. Geführt von 3 kurdischen Brüdern ging es hier flott zur Sache. Lecker angerichtete, große und kompakte Energie zum sofortigen Verbrennen. Top!

Letzter Punkt auf der Tagesagenda: die Fähre um 19:30 Uhr erreichen. Für die Strecke von etwa 30 km hatten wir knappe zwei Stunden Zeit. Eigentlich kein Problem, wären da nicht die zahllosen Foto-Stopps, da bei abendlichem Licht alles nochmal eine Stufe spektakulärer aussieht. Letztlich schafften wir es aber doch rechtzeitig, und mussten sogar noch 20 min warten. An Bord gab es nochmal, ja, was wohl? Jepp, Kalorien.


Nach Ankunft radelten wir im Schneckentempo nochmals dahin, bis wir den perfekten Platz für die Nacht gefunden hatten. Idyllischer geht es wirklich nicht, die Farben sind unwirklich und deren Intensität einfach nicht mehr seriös. Aber überzeugt euch selbst.
























