Der Morgen suggerierte schon, was auf uns zukommen sollte. Mit 9°C war es deutlich frischer, als an den anderen Tagen. Weil unser Zelt jedoch ziemlich windgeschützt stand, ahnten wir noch nicht viel…
Gut aufgefüttert mit Milch, Joghurt, Pizza vom Vortag und sonstigen Bröseln radelten wir los. Nach etwa 20 Minuten kam die Wärme im gesamten Körper an, was uns die Zusatzkleidung ablegen ließ. Kaum waren wir über einige Kurven wieder direkt an der Küstenstraße bekamen wir die volle Breitseite eines ausgewachsenen Lofoten-Gegenwindes zu spüren. Unnachgiebig und kalt. Wir hofften auf die Sonne, dass sie sich gegen die Wolkendecke durchsetzen würde. Aber das erfolgte lange nicht. So waren wir auf unsere inneren Flammen angewiesen.

Erst als wir nach etwa 30 km einen Rema-1000-Laden entdeckten, ging es deutlich bergauf: mit einem ganzen Kuchen (na ja, klein bis mittel) kamen ordentlich Kohlenhydrate ins System, die für Zündung sorgten.

So schlängelten wir uns etwa 100 km durch eine relativ graue Landschaft, die auch verhältnismäßig wenig Foto-Gelegenheiten bot. Vielleicht waren es aber auch die kalten Hände… wer weiß?!
Dann, auf den letzten 60 km, ging es an die Westküste der Insel, wo sich der Wind nochmals rauer und heftiger zeigte. Die Bikes waren beständig langsam, die Schenkel dick und wir im Grunde nur am Rudern. Wie immer schwebte uns unser Cappuccino vor dem inneren Auge. Und aus einem Gefühl heraus bogen wir in den Hof einer Camping-Verwaltung ein, in der Hoffnung, dort irgendeine Tasse heißen Kaffee zu bekommen. Die Ansprüche waren niedrig, einzig etwas Pause und eine wärmende Magenfüllung standen auf der Checkliste.


Dann kam die Überraschung. Ein perplexer Rezeptionist (so wirkte er) begann schulterzuckend, uns einen Cappuccino zu bereiten. Ein Stück Kuchen aus der Kühlvitrine nahmen wir auch noch mit. Und traten in die Stube ein… Ein saugemütliches Örtchen, super-attraktiv eingerichtet mit einem Blick aufs Meer und einladend zum Bleiben. Das war irre und wir klopften uns lachend auf die Schenkel. Was gleich zu schmerzverzerrten Gesichtern führte, denn die Muskulatur hatte wieder dieses Bienenstich-Syndrom. Super-empfindlich!!! (Die Cappuccini waren absolut stark!)

Dann ging es aber schnell weiter. Sogar die typischen Touristen-Attraktionen ignorierten wir gepflegt und sahen zu, dass wir auf der Strecke blieben.
Die stürmische Weiterfahrt bot uns dann noch einige Highlights. Wie hier zum Beispiel weiße Strände mit feistem Sand – außer den niedrigen Temperaturen gibt es da nichts, was einen Strandurlaub in der Szenerie abwegig erscheinen lassen würde. Vielleicht gibt es ja solche Tage, wo das hinhaut.


17:00 ging die letzte Fähre, die wir daher zwingend erreichen wollten. Das glückte auch. Aber die Fahrt war wenig entspannt, da es ordentlich Seegang gab, was das Schiff ganz schön durchschaukelte. Alarmanlagen der Autos gingen ständig los und Roberts Rad fiel von der Wand. Glücklicherweise nur Schrammen und keine ernsten Schäden.
Gleich nach Verlassen der Fähre – es regnete überraschenderweise mal – stolperten wir direkt in ein kleines Fischrestaurant, das „Skreien Spiseri“. Von der extrem liebenswerten und hilfsbereiten Wirtin Lina bekamen wir allerhand Tipps, nachdem sie uns Fish & Chips, sowie das Seezungen-Menü empfohlen hatte.



Lokaler Fisch, das schmeckt man! Und dann gab es noch den Kuchen des Hauses, Erdnuss-Karamell mit einer leichten Salznote. Nach solchen Strampeltagen stehen wir eigentlich auf alles, was salzig ist. Der Kuchen war jedoch wirklich erste Sahne.
Unsere leichte Tendenz zu einer festen Unterkunft, bzw. einem festen Dach über dem Kopf, wurde schnell obsolet. Alles ausgebucht. So schnappten wir dann doch unser Zelt und machten uns auf die Suche nach einem gemütlichen Nachtlager. Wie üblich. Schließlich erholten wir uns immer saugut im Einwänder. Never change a running system.









