What a day!! Die Regennacht im Zelt absolut trocken überstanden. Alles andere war zwar nass, da wir aber Zeit hatten, konnten wir ganz gemütlich unseren Lagerplatz in eine Sortier- und Trocknungsanlage verwandeln. (Mehr schlecht als recht.) Und nebenher frühstückten wir. Feldmäßig.



Dass wir zurück auf dem norwegischen Festland waren, spürten wir sofort. Ums Eck und los ging es mit Klettern. Das Mindset passte aber, denn wir wussten, dass wir bis um 14:00 Uhr eine Fähre erreichen mussten und mit deren Erreichen sollte insgesamt die Kletterei dieses Tages abgeschlossen sein. Rein theoretisch…
Eine Kältekammer, äh, ein Tunnel, vor dem wir am Vortag noch gewarnt wurden, stand gleich danach an. Mit Steigung ging es 2,3 km nach oben. Schwitzen und Frieren gleichzeitig, das kenne ich sonst nur vom Eisklettern.


Und gleich am Ende kam eine Endlos-Baustelle mit gehäckseltem Asphalt. Das ist eben das Problem, wenn man so ambitioniert wie wir unterwegs ist und damit den Norwegern jede Chance nimmt, die neuen Straßen für uns rechtzeitig fertigzustellen. Eine nervenaufreibende Sache jedenfalls, denn Roberts Formel-1-Dünnst-Reifenmäntel mögen solch frischen Gravel nicht so gerne.
Die größte Kletterei des Tages stand an. Mit leichten Rückenwind, der ziemlich genau unserer Fahrgeschwindigkeit entsprach, stand die Luft quasi still und weder Kühlung, noch Feuchtigkeitsabtransport waren vorhanden. Damit kam zumindest ich nass wie ein Norwegerpulli nach dem Wollwaschprogramm oben an.

Windig war es wohl, daher gleich die Windstopper-Jacke drüber und auf in die rasante Abfahrt. Diese Abfahrten waren sehr interessant, da viele kleine Tunnel dabei waren, die mit Geschwindigkeit gefahren richtig Spaß machen.

Die Fjord-Umrundungen zwischendurch – wir fahren in der Regel die Fjorde auf der einen Seiten nach hinten und ab dem Umkehrpunkt auf der anderen Seite wieder vor – waren wieder mal atemberaubend. Auch kam die Sonne zwischenzeitlich durch und verwöhnte nicht nur unsere Rücken, sondern auch die Augen. Ich stelle fest, dass ich zwischenzeitlich nicht immer mehr motiviert bin, alle Szenerien zu fotografieren. Der Gedanke dabei ist „das hat man doch schon gesehen, warum also nochmal ablichten“. Von sattgesehen an der gewaltigen Natur kann man aber keinesfalls sprechen. Die Landschaft in Bewegung, was bei uns zwischen 20 und 35 km/h bedeutet, auf Abfahrten bis zu 65 km/h, sieht unbeschreiblich aus.

Die zweite Kletterei kam schnell und fast an der Spitze angekommen trafen wir die liebe Ine aus Belgien. Mit ihrem Fahrrad, das sie Enrico nennt, war sie zwischen Finnland, Norwegen und Schweden unterwegs. Aktiv-Urlaub allein – öde mag man annehmen, das Gegenteil ist jedoch der Fall. Man ist dann vermutlich einfach ungestörter beim Gucken… Ine jedenfalls war total aufgedreht und hatte ziemlich Pfeffer auf dem Sattel.

Sie jagte uns noch nach, als wir uns in Richtung Fähre aufmachten und bekam dann bei Eintreffen zur Belohnung eine Waffel mit norwegischem Käse. Sehr lecker, was wohl unter Radlern besondere Beliebtheit genießt. Sie freute sich wie ein Schnitzel.

Dann saß da noch ein sehr lässiges Pärchen vor einer Hütte am Hafen, die an ihren Rädern deutsche Kennzeichen angebracht hatten. Franzi und Benedikt hießen die beiden, die nach fast 2 Monaten Auszeit in Norwegen ziemlich beeindruckend „Höhenmeter geballert haben“, wie Franzi es nannte. Die beiden hatten teilweise richtig Pech mit dem Wetter und mussten u.a. auch sturmbedingt Änderungen an ihren Routen vornehmen. „An Tagen wie diesem“ – inzwischen war es sonnig super-angenehm – seufzte Benedikt, „bin ich richtig neidisch und bereue den nun feststehenden Heimflug ein wenig.“

Wir wussten das wohl zu werten und waren wieder einmal sehr dankbar für unser Glück und die eigentlich perfekten Bedingungen für unser Unterfangen. Und hey – fürchterlicher Gegenwind und Kälte am Morgen sind eben Markenzeichen Norwegens und gehören einfach dazu.

Ach ja, selbstverständlich nahmen wir vor Abfahrt wieder Kalorien auf. Robert verdrückte gleich 3 Waffeln (ja, die mit Käse) und einen Hamburger. Ich zog zwei Portionen Pommes vor. Und das war gut, denn wir entschlossen uns kurzerhand, gleich nach Ankunft auf der anderen Seite noch nach Tromsø „durchzuballern“. Es waren nur knapp 60 Kilometer. Und das war eine super Entscheidung. Denn der Wind passte streckenweise richtig gut und wir kamen flott durch.

Tromsø ist ein wirklich lebendiges Städtchen, saukalt und windig, aber auf unserer Route eben notwendig. Und bergig, wir mussten für die Innenstadt über den Wall erstmal drüber, was uns dicke Backen abverlangte. Aber wir freuten uns schon auf unser Hotel, denn dort konnten wir alle Ausrüstung trocknen, Kleidung waschen und vor allem unsere 2.000-Kilometer-Marke feiern. Die war vor ca. 2 Tagen erreicht.
Das Hotelzimmer wurde natürlich sofort zum logistischen Umschlagplatz umfunktioniert. Solche Situationen sind maximal auszunutzen. ????



Zur Würdigung unserer 2.000-Kilometer-Einander-Ertragen-Marke fanden wir gleich in unmittelbarer Nähe unserer Bleibe den Asiaten „Suvi“. Das Menü 1 überzeugte uns sofort. So ziemlich alles, was das Haus zu bieten hatte in sehr attraktiver Darbietung. Alle 1.000 km darf man sich etwas verhätscheln, dachten wir.
Was super war: wir hatten erst keinen Platz bekommen und auf unser Drängen hin platzierten sie uns direkt vor der Küche. Das ist einfach magisch, wenn man Profis beim Zubereiten von Sushi und anderen Dingen zusehen kann. A Traum für Sushi-Fans wie den Flori.


Jetzt warten wir gerade auf den Nachtisch…. und da isser! 😀
Chocolate Fondant mit Vanille-Eis, sowie „Keine Ahnung, was das war – war jedenfalls saulecker, mit Erdnüssen!“









