Der Tag begann herrschaftlich mit einem ausgiebigen Frühstück und frisch gewaschener Klamotte. Lilleström war insgesamt eine Ladestation, denn auch der vorabendliche Burger mit Nachos war ein Festmahl. Gut gestärkt verließen wir also die Stadt, um dann ein erstes Warm-Up an der ersten langen Steigung zu erhalten. Oben angekommen erleichterten wir uns erstmal um die inzwischen bereits durchgeschwitzte Kleidung. Die Sonne hatte auch bereits die Wolkendecke durchbrochen.

Fühlte sich ein wenig an, wie ein letztes Mal so richtig Zivilisation erleben, bevor es in die Pampa geht. Wobei – Lilleström und Life…. (fragt Robert dazu).
Wir mussten feststellen, dass Hotels eigentlich nur dazu da sind, dicke und unbewegliche Leute noch dicker und noch unbeweglicher zu machen. Nichtsdestotrotz – wir nahmen die Kalorien auch mit, denn wir brauchen sie ja. Lecker wars allemal!

Mit optimal bedecktem Wetter und knapp 20°C strampelten wir die ersten 50 km sehr locker herunter. Dennoch macht sich die zunehmend „norwegischere“ Landschaft bemerkbar: es wird hügeliger. Die Phasen, wo es „klotzen“ heißt, werden häufiger. Aber analog nehmen ja auch die genussvollen Abfahrten zu, die alle Mühen sofort belohnen. Mit Zins, denn Norwegen bietet gewaltig was fürs Auge. Nur die Leute gucken bisweilen grimmig.
Ich musste feststellen, dass die Radkonfiguration noch nicht optimal war. Knie und Achillessehne meckerten etwas. Durch einige Anpassungen an Sattel und Tri-Lenker, sowie Voltaren an den kritischen Stellen, war auch das schnell gelöst. Wichtig, denn wir nehmen die kleinen und großen Anstiege zunehmend progressiv und beherzt an.
Unser Flow wurde dann doch kurz unterbrochen, als wir feststellen mussten, dass Roberts Reifen ja gar nicht aus Vollgummi waren!! Sie sind tatsächlich hohl und die Luft kam eben raus. Schnell geflickt und wir waren wieder unterwegs. Zuvor machten wir uns jedoch noch an unsere Reifen und fummelten mit Pinzette und Messer alle Steinchen, Dörnchen und Scherbchen aus unseren Reifen. Denn alles, was da drinsteckt, arbeitet sich mit den Kilometern immer tiefer ins Material. Ergebnis ist klar.

Erstaunlich: Robert fuhr mit diesen „Slicks“ (Conti GP 4Season) nun 5.200 km weit ohne jegliche Probleme. Dabei hatte er sie nie kontrolliert und absolut unpfleglich behandelt.
Nach einer sehr fixen 10-Kilometer-Etappe – bzw. Sprint – kamen wir in Elverum an. In diesem etwas belebteren Örtchen (mit Jahrmarkt) hatte Robert ein gutes Café ausgemacht, wo wir uns auf unseren Cappuccino freuten. Das Café (Kafe Øst) bot eine unglaublich gemütliche Atmosphäre, entspannte Musik zum Träumen und war jetzt genau das richtige für uns. Leider war ich während des Aussuchens nicht anwesend, was mehrere Süße Stückchen, Eiscreme und dergleichen zur Folge hatte. Robert eben, wenn der Blutzucker minimal erniedrigt ist….

Hier noch ein Kommentar von Rob zu seinem Cappuccino (der sicherlich eine 9 auf der 10er-Skala verdient hat), während ich hier an diesem Blog-Post arbeite: „Das ist der erste Cappu, der obendrauf eine Zimtkrone hat. Das wäre mal was richtig tolles für Olaf, damit hätte der Spaß!“ Olaf, herzlichen Glückwunsch, Robert denkt an alles.
Das Café war eine Super-Gelegenheit, diesen Blog zu schreiben und gleichzeitig bei tollem Eis die Abendessenspläne auszuhecken. Wir konnten uns so ziemlich alles auf unserem Tisch vorstellen.
Jetzt geht es gleich weiter zum Zielort in etwa 60 km Entfernung: Deset. Da soll es ein Plätzchen direkt am Wasser geben. Gut, denn trotz einer solchen Hatz gelingt es nicht, den Mief der Funktions-Kleidung abzuschütteln. Das geht dann mit Wasser und Seife. 😉
Diese Ergänzung muss noch sein: die verbliebene Distanz legten wir fast im Überschall zurück. Was für ein Flow. Und sicherlich bekloppt, wenn wir unsere Beine morgen nochmal einsetzen wollen. Aber das wars allemal wert!
Der Weg dorthin führte uns über lange Waldstraßen durch richtige Wichtel-Siedlungen hindurch. Eine Idylle könnte fast nicht perfekter sein. Einzig die fast auf deutschem Niveau sehr „knapp“ und schnell überholenden Passanten (derer es zum Glück nur wenige gab) rissen uns gelegentlich aus der Trance.

Am Ziel in Deset angekommen waren wir baff. Deset ist ein dermaßen toller Ort, unser Nachtplatz direkt am Wasser, mit Enten und einem sonnengebadeten Vesper – so verkauft sich Norwegen wirklich gut!

Na ja, bis auf die Mücken. Und unser Autan interessiert die nicht die Bohne. Da wird gestochen, was der Rüssel hält….















