Was für eine ruhige Nacht (mal vom Schnarchen abgesehen). Dennoch haben wir geschlafen, wie zwei Bären. Warum wohl? Nun ja, das zeigte sich schnell. Denn unsere gestrige Baller-Phase hat Spuren hinterlassen: bleierne Oberschenkel.
Zur Erklärung: manchmal läuft es einfach. Und wenn dann das System von Endorphinen nur so schäumt, dann tappt man schnell auch in die typ. Dopamin-Falle und „ballert“ selbst die Berge einfach hoch. Weils einfach dermaßen Spaß macht. Die Quittung kommt in der Regel 1-2 Tage später.
Da es bei den norwegischen Schnaken auch Frühaufsteher gibt, haben wir auf unser Frühstück verzichtet und wollten dafür am Weg irgendwo anhalten. Gesagt, getan. Nur dass wir da schon wieder 25 km hatten. Noch halbwegs erträglich, denn es war sehr flach. Dieser Findling lud uns dann direkt ein.


Feiner Käse kam aus dem Rucksack heraus. War gut, dass wir im Freien waren, denn der Geruch ist ein eigenes Kapitel. 😉
Mit je einem halben Liter Trinkjoghurt – das können die Norweger richtig gut – im Bauch ging es dann weiter. Bis zum ersten ernsteren Berg…
Ob es nur die schlechte Energiewirtschaft vom Vortag war, oder der schon wieder zu schnelle Tritt (die tolle Umgebung motiviert halt zum Voranstrampeln), wissen wir nicht. Vermutlich beides. Wir waren so platt! Da konnten wir uns nur mit den schönen Häuschen ablenken und jede Menge Kommentare dazu abgeben. Ja genau, reden konnten wir dann doch noch. Hmmm.


Die große Herausforderung stand noch vor uns, als wir bei einem plötzlich auftauchenden Road-Café mit Truckern davor Halt machten. Rob krallte sich Zucker und Phosphorsäure mit Wasser (auch Cola genannt) und ich ein Fruchtwasser, das nach Scheibenwaschflüssigkeit schmeckte. Wurscht, die Himbeeren machten es wett. Und das hatte dann seinen Effekt…
Mit Blutzucker bis unters Schädeldach ging es los. Ein endlos langer Schlauch niemals endenden Anstiegs. Zwar nur überschaubare 3-4%, aber eben lange und ohne Unterbrechung. Die Straße allerdings war so gut, dass wir vor lauter Begeisterung fast vergaßen, dass es aufwärts ging. Mannmann. Oben angekommen folgte eine rasante Abfahrt, die uns völlig trocknete. Jetzt musste wieder etwas Energie her.


In Tynset angekommen warf Robert den Anker an einer Pizzeria, wo wir uns mit der fettigsten Salami aufbunkerten, die man sich vorstellen kann. Super lecker! Weil er aber schon wieder die Süßigkeiteneinkäufe für den Abend plante, bekam er erstmal nur ein kleines Stück von der Pizza und musste warten.
Aber der Tag war mit der Pizza ja noch nicht gelaufen. Kaum aus der Stadt raus und am ersten längeren Anstieg kamen die ersten Tropfen. Egal, wie wir strampelten, wir entkamen der Schauerfront nicht.
In Regenkleidung also kämpften wir uns empor. Zum Kampf wurde es allerdings durch unsere neue Entdeckung: die Fahrpraxis der Norweger. Entgegen den rücksichtsvollen Schweden haben sie hier eher eine deutsche Fahrkultur. Schnell, hektisch und immer knapp an anderen vorbei. Besonders die Lkw scheinen größtes Vertrauen in ihre Brensen zu haben, so schnell wie die in den Bergen herumkurven.


Unsere Wahl, die Strecke nach Trondheim über die RV 3 zurückzulegen, ist leider alternativlos. Und diese ist eben als fast einzige Transitroute auch heftig befahren. Während der Regenstunden waren also Lkw und deren Gischt der Haupt-Stressor, der uns letztlich auf unseren letzten 30 km ziemlich zermürbte.
Dann kam noch unser 1.000-km-Moment dazu, den wir dann mit bereits eingestelltem Regen genießen durften. 🙂 Damit haben wir mit der morgigen Ankunft in Trondheim auch etwas mehr als unser erstes Drittel der Reise hinter uns.


Wir schafften es dann noch, in den letzten Supermarkt weit und breit eine Viertelstunde vor Feierabend hineinzurennen und uns mit Ersatz für unsere verbrannten Kalorien auszustatten. Auf einem Campingplatz, der nur von alten Dauercampern spärlich belegt ist, kamen wir unter und genossen einen schönen, aber kühlen Abend im Freien.









